Umbrien – Italiens grünes Herz auf der Weinkarte
Zwischen der Toskana im Norden und Latium im Süden erstreckt sich Umbrien als eine der wenigen italienischen Regionen ohne Küstenlinie. Der Tiber bahnt sich seinen Weg durch sanfte Hügellandschaften, vorbei an der Universitätsstadt Perugia und der auf Tuffstein thronenden Stadt Orvieto. Das Klima ähnelt dem der benachbarten Toskana, bringt aber durch die geschützte Lage im Landesinneren ausgeprägtere Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht mit sich. Genau diese Bedingungen verleihen den umbrischen Weinen ihre charakteristische Balance aus Reife und Frische.
Zwei DOCG-Zonen und dreizehn DOC-Gebiete bilden das Qualitätsgerüst der Region. Die Böden wechseln zwischen Kalk, Ton und vulkanischem Tuffstein, was je nach Lage ganz unterschiedliche Weinstile hervorbringt.
Sagrantino di Montefalco – Umbriens kraftvollster Rotwein
Die autochthone Rebsorte Sagrantino wächst fast ausschließlich rund um die Hochebene von Montefalco, etwa 30 Kilometer südlich von Perugia. Franziskanermönche bauten die Rebe einst für liturgische Zwecke an, und lange Zeit kannte man Sagrantino nur als süßen Messwein. In den 1960er-Jahren wäre die Sorte beinahe verschwunden, bevor weitblickende Winzer ihr enormes Potenzial für trockene Rotweine erkannten.
Sagrantino besitzt einen der höchsten Tanningehalte aller italienischen Rebsorten. Im Glas zeigt er sich tiefdunkel, mit Aromen von Brombeere, Sauerkirsche, Unterholz und dunkler Schokolade. Gut vinifiziert, verbinden sich die kräftigen Gerbstoffe mit einer bemerkenswerten Langlebigkeit. Wer einen Sagrantino di Montefalco DOCG öffnet, sollte ihm Zeit geben: entweder durch Dekantieren oder durch geduldige Flaschenreife.
Bei Vinolisa finden Sie die Sagrantino-Weine von
Còlpetrone, einem der wichtigsten Erzeuger der DOCG-Zone. Das Weingut bewirtschaftet 63 Hektar in der Gemeinde Marcellano, davon 35 Hektar mit Sagrantino bepflanzt. Ihr „Memoira" reift in französischen Barriques und vereint Konzentration mit erstaunlicher Eleganz, während der „Sacer" als Spitzencuvée nur in den besten Jahrgängen erzeugt wird.
Neben dem reinsortigen Sagrantino lohnt sich der Blick auf den
Rosso di Montefalco DOC, eine Cuvée aus Sangiovese, Sagrantino und Merlot. Er zeigt sich zugänglicher, mit saftiger Frucht und weicheren Tanninen, und eignet sich hervorragend als Einstieg in die Rotweinwelt Montefalcos.
Orvieto Classico – Weißwein mit antiker Geschichte
Bereits in der Renaissance floss Orvieto-Wein reichlich an den Tischen des vatikanischen Adels. Der Maler Pinturicchio soll 1496 in einem Vertrag festgehalten haben, er wolle „so viel Orvieto-Wein, wie er trinken konnte" erhalten. Die moderne Geschichte des Orvieto ist eng mit der Cantina Bigi verbunden, die Luigi Bigi 1880 in einem ehemaligen Franziskanerkloster in Orvieto gründete.
Orvieto Classico DOC wird als Cuvée aus Trebbiano Toscano (lokal Procanico genannt), Verdello, Grechetto, Malvasia und Drupeggio gekeltert. Die Weine zeigen sich hell, mit Zitrusnoten, dezenter Blumigkeit und einer angenehmen Leichtigkeit. In der lieblichen Variante (Amabile) kommt eine feine Restsüße hinzu, die den Wein zu einem vielseitigen Begleiter für Vorspeisen und milde Käsesorten macht. Der
Vigneto Torricella aus dem Hause Bigi stammt von einer Einzellage und bringt etwas mehr Struktur und Tiefe ins Glas.
Grechetto – Umbriens eigenständiger Weißwein
Abseits des Orvieto verdient die Rebsorte Grechetto besondere Aufmerksamkeit. Reinsortig ausgebaut, zeigt sie ein Aromenprofil von weißen Blüten, Mandeln und reifem Steinobst, begleitet von einer kräftigeren Struktur als die typischen Orvieto-Cuvées. Der
Grechetto Umbria IGT von Bigi ist ein unkomplizierter, dabei aromatisch eigenständiger Weißwein, der die Vielseitigkeit umbrischer Weißweinkultur auf den Punkt bringt.
Umbrische Weine bei Tisch
Umbriens Küche und ihre Weine sind füreinander gemacht. Sagrantino verlangt nach kräftigen Partnern: geschmortes Lamm, Wildschweinragout, gereifter Pecorino oder Gerichte mit schwarzem Trüffel aus Norcia. Der Rosso di Montefalco begleitet Pasta mit Fleischsauce, gegrilltes Geflügel und würzigen Aufschnitt. Orvieto Classico und Grechetto passen zu Fischgerichten, Bruschetta, leichten Pastagerichten und frischem Ziegenkäse.
Wenn Sie kräftige Rotweine aus Süditalien schätzen, etwa Primitivo aus Apulien oder Aglianico aus der Basilikata, werden Sie im Sagrantino einen ebenso charakterstarken Vertreter Mittelitaliens entdecken.